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Wie du dich traust, deinen Perfek­tionismus loszulassen

Wie du dich traust, deinen Perfek­tionismus loszulassen

So kannst du dein Bullet Journal endlich viel unbeschwerter und produktiver verwenden:


Kennst du das? Vor lauter Angst, Fehler zu machen, traust du dich nicht, dein Bullet Journal wirklich zu nutzen. Befürchtest, dass deine Handschrift nicht ordentlich genug ist. Dass du dich vielleicht verschreibst oder eine Zeichnung blöd aussehen könnte. Hast Angst, dass du es eh nicht schaffen wirst, einen Tracker regelmäßig zu füllen. Oder oder oder…

Dieser Beitrag gibt dir eine Menge Denkanstöße und praktische Tipps an die Hand, um diesen Perfektionismus zu überwinden.
Steh dir nicht länger selber im Weg! 🙂

#1 – Form follows function

… oder anders ausgedrückt: ein Bullet Journal ist ein Werkzeug, kein Kunstwerk.

Es ist dazu da, dir zu helfen. Es unterstützt dich dabei, deine Termine im Griff zu haben, keine Einfälle mehr zu vergessen, einen gesünderen Lebensstil hinzubekommen. Was auch immer deine Ziele sind – durch das Bullet Journaling erreichst du sie leichter!

Wie das BuJo dabei aussieht, ist erstmal wurscht. Die Power des Bullet Journals steckt nicht in akkuraten Linien oder geletterten Überschriften. Sie kommt aus dem puren Notieren nach einer bestimmten Methode und nicht aus irgendwelchen Verzierungen.

Bullet Journal für Pragmatiker - nicht perfekt, aber hilfreich
Alles andere als ein grafisches Meisterwerk – funktioniert trotzdem super!

Fokussiere dich auf den Inhalt, nicht auf das Aussehen.

#2 – Sorgfalt != Perfektionismus

Viele Bullet Journaler schätzen es sehr, durch das Schreiben von Hand zur Ruhe zu kommen. Die Konzentration ist einfach eine ganz andere, wenn es kein schnelles Strg + Z gibt.

Diese Sorgfalt ist wunderbar. Sie hilft dir dabei, in deinem turbulenten Alltag mal kurz die Pause-Taste zu drücken und runterzukommen. In deinem Bullet Journal blinken keine Push-Benachrichtigungen auf, muss nicht alles husch-husch gehen. Du darfst dir die Zeit nehmen, etwas in Ruhe zu machen.

Aber aufgepasst: sobald dich das nicht mehr entspannt, sondern dich deine Ansprüche an dich selber unter Druck setzen, ist es zu viel des Guten. Dann ist die Sorgfalt umgeschlagen in Perfektionismus.

Indem du jetzt diesen Unterschied kennst, kannst du dich selber beobachten und rechtzeitig einen Gang runterschalten.

#3 – Bullet Journaling ist kein Wettbewerb

Pinterest, Instagram & Co. sind voll von Bullet Journal-Fotos. Ein Spread sieht dabei perfekter aus als das andere. Da kommt schnell Druck auf, mithalten zu wollen. Oder sogar noch besser zu sein.

Ich habe mich selber schon bei dem Gedanken ertappt, dass ich das neue Monatslayout unbedingt schon zwei Tage vorher fertig haben wollte, um es ja rechtzeitig posten zu können. Denn am Monatsfünften kräht danach vermeintlich kein Hahn mehr. Total idiotisch!

Bullet Journaling ist kein Konkurrenzkampf. Es ist ein hilfreiches Hobby, das in erster Linie etwas ganz Persönliches ist.

Natürlich spricht nichts dagegen, Fotos von deinem Bullet Journal zu teilen. Wenn du stolz auf etwas bist und deine Seiten zeigen magst, warum nicht. Wichtig ist nur die Intention dahinter:

#4 – Du führst dein Bullet Journal für dich, nicht für andere

Dein Bullet Journal ist dein privates Notizbuch. Ganz alleine deins.

Keiner außer dir bekommt es zu Gesicht – außer, du zeigst es absichtlich her.

Was heißt das?

  1. Schreibe dein Bullet Journal für dich selber. Nicht für Social Media. Zeichne beispielsweise Tracker so, wie du sie brauchst und nicht so, wie sie möglichst beeindruckend aussehen.
  2. Wenn du dich mal irgendwo verschrieben hast, geht davon die Welt nicht unter. Die Welt wird es nämlich nicht mal mitbekommen, solange du es ihr nicht explizit unter die Nase reibst.

Eine Zeitlang habe ich mich früher selber unter Druck gesetzt, weil meine Überschriften-Banner immer gleich aussahen. Schema F.

Monthly Log im Bullet Journal
Ich mag diese Banner, jawohl!

Ich dachte mir, dass ich da unbedingt mehr Abwechslung reinbringen müsse. Mal etwas mit gebogenen Linien. Mit anderen Effekten. Aber hey – warum? Ich mag diese Banner. Sie sind flott gezeichnet und sehen nett aus.

Und solange sie mir selber nicht zum Hals raushängen, ist alles gut.

#5 – Vergleich dich nicht mit anderen!

Jetzt kommt schon wieder das Thema Social Media: ja, es ist toll, wenn man über Hashtags wie #bujojunkies mit einem Klick in Tausende von Bullet Journals spinxen kann. Das kann dich inspirieren und auch motivieren.

Aber da lauert auch ein fieses Fettnäpfchen: begeh nicht den Fehler, dich und dein Bullet Journal mit den anderen zu vergleichen! Dadurch verändert sich nämlich deine Wahrnehmung und du siehst an deinen eigenen Spreads plötzlich nur noch, was alles vermeintlich weniger gelungen ist.

Vergleiche dich, wenn überhaupt, nur mit dir selber! Hast du etwa diesen Monat keine Geburtstage mehr verschusselt, weil sie diesmal endlich in deinem Monthly Log standen?

#6 – Aufwand & Nutzen

Nimm dir von Zeit zu Zeit ein paar Minuten, um über dein Bullet Journal zu reflektieren: welche Inhalte nutzen dir, welche brauchst du eigentlich nicht? Und lohnt sich die Zeit, die du investierst?

Es geht nicht unbedingt darum, schneller zu werden. Wenn du beispielsweise viele Stunden mit Illustrationen verbringst und das total liebst, dich dabei entspannst – why not.
Anders sieht das aus, wenn du ewig und drei Tage an jeder Seite herumdokterst, weil du dich nicht traust, auch nur einen Strich mal ohne Lineal zu ziehen. Dann entwickelt sich das Bullet Journaling zu einem riesigen Zeitfresser. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis mehr.

Dann ist es an der Zeit, deine Motivation zu hinterfragen:

#7 – Sei ambitioniert – aber aus den richtigen Beweggründen

Es ist gut, wenn du dich stetig verbessern willst. Wenn du vielleicht das Handlettering übst oder wenn du mehr über die Bullet Journal-Methode lernen möchtest, um dein BuJo bestmöglich zu nutzen.
Neugier und der Wunsch, etwas richtig gut zu können, sind etwas Tolles – das bringt uns voran!

Aber Achtung! Frag dich auch hier mal, was genau deine Intention ist. Denn wenn du nur aus Angst vor Fehlern übst, ist das eine negative Motivation. Damit setzt du dich unter Druck und verlierst die Freude an der Sache.

#8 – Erlaube dir, loszulassen

Stell dir vor, du hast vor einiger Zeit einen bestimmten Tracker eingeführt oder dir vielleicht vorgenommen, jeden Monat alle Seiten nach einem bestimmten Thema zu dekorieren.

In der Theorie klang die Idee super. Und dann hast du nach ein paar Tagen festgestellt, dass dich das eigentlich ziemlich nervt, zu viel Zeit kostet und dir herzlich wenig bringt. Was tust du? – Hakst du den Tracker oder das Layout ab und wendest dich anderen Dingen zu? Oder nagt es an dir, dass du das jetzt auch durchziehen und zu Ende bringen musst?

Sei flexibel! Du kannst in deinem Bullet Journal ruhig mittendrin umdisponieren – das ist nicht nur erlaubt, sondern sogar Sinn der Sache. Denn beim Bullet Journaling geht es ja gerade darum, ein für dich persönlich richtig hilfreiches Werkzeug zu haben!

Wenn etwas für dich nicht funktioniert: machs anders!

#9 – Unperfekt ist gut genug

Es gibt da ein wunderbares Sprichwort:

Perfekt ist gut, fertig ist besser.

Dein Bullet Journal will dich dabei unterstützen, deine Ziele zu erreichen. Es ist ein Werkzeug. Ein Zimmermann, der vor jedem durchzusägenden Brett erstmal eine Stunde lang seine Säge poliert, kommt nicht wirklich weit. Ähnlich verhält es sich bei deinem Bullet Journal.

Steck so viel Aufwand hinein, dass dein Werkzeug für dich funktioniert… und halte dich nicht mit irrelevanten Kleinigkeiten auf.

#10 – Mach doch mal bewusst Fehler!

Okay, denkst du dir jetzt vielleicht, in der Theorie klingt das ja alles ganz nett. Aber dem Perfektionismus dann auch in der Realität den Kampf anzusagen, ist doch ein ganz anderes Kaliber!

Genau deswegen kommt jetzt eine praktische Aufgabe: du sollst Fehler machen. Richtig gelesen! 😳 Bei deinem nächsten Eintrag hast du die Aufgabe, einen absichtlichen Fehler einzubauen:
Verschreib dich. Male eine Tabelle ohne Lineal. Knick ein Eselsohr in die Seite. Und für ganz Mutige: stell deine Kaffeetasse auf die Seite und lass Flecken entstehen.

Und danach machst du ganz normal weiter! Auf den nächsten Seiten kannst du ruhig wieder mit deinem Lineal arbeiten.

Was du von dieser Übung mitnimmst: eine schiefe Linie verhunzt nicht gleich dein ganzes Bullet Journal. Jede Seite ist ein Neuanfang. Und selbst wenn’s krakelig aussieht… wichtig sind ja die Inhalte, gelle?
Das nimmt extrem viel Druck raus. 

#11 – Schritt für Schritt

Und was ist, wenn du wie das sprichwörtliche Karnickel vor der Schlange sitzt und die vielen weißen Seiten anstarrst? Wenn du dich nicht recht traust, mit deinem Bullet Journal überhaupt zu beginnen… weil du nicht weißt, wie du das ab jetzt Tag für Tag hinkriegen sollst? Weil es dir vielleicht unrealistisch vorkommt, dass du irgendwann einen ganzen Stapel von bunt gefüllten Bullet Journals dein Eigen nennen sollst?

Mach dir nicht zu viele Gedanken!

Geh einen Schritt nach dem anderen und denke immer nur an den aktuellen Eintrag. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, ob diese Form des Monthly Spreads wirklich optimal ist und dir für die nächsten fünf Jahre gefällt. Probier diesen Monat einfach ein Format aus und wenn es für dich nicht taugt, dann sattelst du nächsten Monat eben auf ein anderes um. 🙂

Das ist das Schöne am Bullet Journal: es ist flexibel. Anders als bei einem normalen, vorgedruckten Kalender musst du dich nicht ein Jahr im Voraus für ein bestimmtes Layout entscheiden.
Dein Bullet Journal wächst mit dir und deinen Anforderungen mit, entwickelt sich – und das ist eine spannende Reise!


Wie ist das bei dir? Bist du perfektionistisch veranlagt oder kannst du im Bullet Journal auch mal fünfe gerade sein lassen?

2 Kommentare

  1. Nola
    vor 3 Wochen

    Vielen Dank für diesen entspannten Artikel. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Bullet Journal. Erst durch das Buch von Ryder Carroll sind mir Sinn und Zweck klargeworden. Daher freue ich mich über Artikel, die mir alltägliche Journals zeigen und hilfreiche Tipps geben. Und mit Tipps meine ich nicht, wie meine Logs und Tracker noch umwerfender aussehen, sondern wie sie noch funktioneller sein können. Klar, sehe ich mir auch gerne wunderschön gestaltete Notizbuchseiten an, aber tatsächlich verspüre ich dann auch immer ein wenig Neid und denke, wieso kann mein Buch nicht so aussehen. Und gerade darum geht es ja nicht.
    Also noch einmal, vielen Dank für Deine hilfreichen Artikel und den Blick in Dein Bullet Journal, dem man ansieht, dass es tatsächlich genutzt wird.

    Herzliche Grüe
    Nola

    • vor 3 Wochen

      Hallo Nola,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar! 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

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